Herr der Ringe Online – Nelwing – Die Rast
Die Füße tun mir weh und ich spüre jeden einzelnen Knochen in meinem Leib. Ich habe aufgehört zu zählen, wie viele Zeiteinheiten wir bereits unterwegs sind. “Eine kurze Rast. Nur eine kurze Rast.” Diese Gedanken machen sich in meinem Kopf breit. Wie schon so oft, scheinen sie meinen Gefährten auf direktem Weg zu erreichen, denn er schlägt vor: “Ruh Dich etwas aus!” Langsam lasse ich mich am Wegesrand nieder.
Saftige, grüne Wiesen, auf denen zwischen bunten Blumen grimmige Wölfe und angriffslustige Wildschweine lauern. Der Wind rauscht leise durch die sich bewegenden Zweige der Bäume.
Eine trügerische Ruhe.
Weit voraus sind die Türme einer Ansiedlung zu erahnen, von denen ich hoffe, daß sie zu der Stadt gehören, die unser Ziel ist. Viel zu lange sind wir bereits auf der Suche.
Ein älterer Elb bat mich, seiner Enkeltochter eine Nachricht zu überbringen.
Natürlich bin ich sofort aufgebrochen. Nur eigenartig, daß er meinen Gefährten um den gleichen Gefallen bat.
Mein Gefährte.
Bei dem Gedanken an ihn wende ich kurz meinen Kopf um ihn ansehen zu können.
Schlank, mit erhobenem Kopf steht er etwas abseits und versucht, seinem zahmen Raben neue Zauber beizubringen.
Stolz durchflutet mich. Stolz, daß dieser mächtige Kundige zu mir gehört! Vor allem, da ich selbst eine Jägerin bin, die die Zauberkunde nicht so beherrscht und ich oft Probleme habe, seinen Ausführungen zu folgen. Was für ein umfassendes Wissen er besitzt! Er kann seinem Raben Befehle erteilen, schmerzhafte Aschewolken aus seinen Händen sprühen lassen und selbst heilen kann er mich! Was für ein toller Mann!
Ich komme mir dagegen unbedeutend und klein vor.
Nur mit einer knappen Tunika bekleidet, meinem Bogen auf dem Rücken und meinem neuesten Schwert in der Hand.
Den Bogen habe ich zu Beginn unserer Reise bei einem Händler erworben, der ihn in den höchsten Tönen lobte. Viele Gegner haben die Schnelligkeit und Schlagkraft seitdem zu spüren bekommen. Der Händler hat Wort gehalten! Dieses Stück ist etwas ganz Besonderes!
Noch jung an Jahren, habe ich bereits gelernt, zuerst eine meiner gefährlichen Fallen auszulegen, dann den Gegner mit einem ersten Pfeilhagel zu verletzen und sobald er gefangen in meiner Falle hängt, ihm mit einigen schnellen Hieben das Leben zu nehmen.
Doch, genug gerastet, weiter geht unsere Reise – bis wir die gesuchte Stadt und die Enkeltochter gefunden haben!


