Erlebnisse Einer Jungen Jägerin (07)
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Neviâthin verbarg ihre aufsteigende Belustigung und legte eine gewisse Ernsthaftigkeit in ihre Stimme, bevor sie improvisierend erwiderte: „Du scheinst eine kluge, junge Frau zu sein, da Du richtig erkannt hast, daß ich eine Jägerin bin, die sich auf dem Weg zum Turnier befindet. Meinen Begleiter werde ich zur rechten Stunde wieder an meiner Seite haben. Da mir diese Gegend unbekannt ist, würde ich gerne Dein freundliches Angebot annehmen und bitte Dich, mir die angepriesene Wasserstelle zu zeigen. Danach werden wir etwas Essbares besorgen, uns zusammen setzen und reden.” Die Fragen zu ihrer eigenen Person ließ sie unbeantwortet, da die Erfahrung ihr gelehrt hatte, daß Zurückhaltung manchmal der bessere Weg war.
Norin sprang mit einem freudigen Schrei auf, streckte ihre Arme weit in die Höhe, während ihre Schwanzspitze lustig um sie herum tanzte. „Oh ja! Dann komm! Es ist nicht weit! Und diese Stelle kennen nur wenige! Bleib dicht hinter mir und weiche den roten Pflanzen aus!”
Nun erhob sich auch die junge Jägerin. Sie fühlte sich ausgeruht und freute sich auf die Möglichkeit, den Schlaf und den Staub der vergangenen Nacht abwaschen zu können.
Mit vorsichtigem Schritt folgte sie Norin, die voller Elan voraus eilte.
Als ihr Blick die nähere Umgebung abtastete, wurde ihr bewußt, daß im Strahlen der Sonne die Vegetation eine gänzlich andere war, als in der Dunkelheit der vergangenen Nacht.
Der Wald mit seinen hohen Bäumen erstreckte sich so weit ihr Blick reichte. Die Stämme waren aus einem hellen Holz, das sich angenehm, fast anschmiegsam anfühlte, als sie es berührte. Die Blätter über ihr leuchteten in einem satten Grün, während ein leichter Wind für ein sanftes Rauschen sorgte.
Der Erdboden war bedeckt mit unzähligen kleinen Pflanzen, deren Stängel, Blüten und Blätter ein Farbenmeer zauberten, so schön, daß sie den Wunsch verspürte, sich fallen zu lassen und darin zu baden. Dieser wunderschönen Natur so nah wie nur möglich zu sein.
Konnte sie sich letzte Nacht so getäuscht haben? Wohin waren die dunklen, unangenehmen Dinge verschwunden, die ihre Hände erkundet hatten? Sie würde Norin danach fragen, sobald sich die Gelegenheit dazu ergab.
Doch nun folgte sie der jungen Frau, die fröhlich vor sich hin summend, ab und an von einem Bein auf das andere hüpfend, einige Kros entfernt, auf einem unsichtbaren Pfad ihren Weg nahm.
Neviâthin lächelte, als ihr einfiel wie unbeschwert sie damals noch war, als ihr Lehrer versuchte, ihr die Maßeinheiten zu erklären. Bereits als sehr junges Mädchen liebte sie es, seinen Worten zu lauschen. Es gab nichts, das er anscheinend nicht wußte und ihr zu erklären versuchte.
Dank ihrer guten Auffassungsgabe hatte sie schnell verstanden, daß ein Kros so lang war, wie fünf aneinander gelegte Lilal.
Diese handgroße Pflanze gab es auf ganz Arinad. Über Nacht wuchsen die getreideähnelnden Stängel und erhoben sich am frühen Morgen bereits in ihrer ganzen Größe. Das Außergewöhnlichste war, daß sie immer die gleiche Länge hatten. Eine Pflanze glich der Anderen und deshalb hatten die Weisen Ariands, die Velehiten, vor vielen Monden verkündet: „Lilal ist ab sofort die Grundlage aller Maßangaben. Fünf Lilal sind gleich ein Kros.” Das Wort der Velehiten war Gesetz und seither nutzte das Volk Arinads diese Angaben.
Neviâthin konnte es damals nicht unterlassen, ihren Lehrer zu necken. Sie stellte sich dumm, ohne dass er es zu bemerken schien. Immer wieder brachte er neue Vergleiche an, um ihr zu erklären, wie sie sich die Länge eines Lilals vorzustellen habe. Nachdem sie bei den angebrachten Beispielen anhand von Pflanzen immer wieder nicht verstehend den Kopf schüttelte, ging er über zu den Tieren. Eine Maus sei groß, wie ein Lilal. Ihre Gegenfragen waren: „Ausgewachsen oder Baby? Mit Schwanz oder ohne? So lange sie lebt, oder wenn sie bereits ein paar Monde ihr Leben ausgehaucht hat?” So und so ähnlich brachte sie ihn an den Rand des Wahnsinns. Im Grunde ihres Herzens war sie ihm aber viel zu sehr zugetan, um ihn weiter zu quälen. Daher gestand sie ihm schließlich kleinlaut, daß sie ihn sehr wohl verstanden und nur einen Scherz gemacht habe.
Zuerst wütend, doch dann freudig überrascht, sah er sie an. Seine anschließenden Worte ließen sie vor Stolz ein kleines Stück gen Himmel wachsen: „Sehr gut Neviâthin! Du hast wirklich gut gelernt! Manchmal ist es von Vorteil, wenn Du Deinem Gegenüber keinen Einblick auf Dein gesamtes Wissen schenkst. Dass Du es geschafft hast, mich zu täuschen, gibt mir die Überzeugung, daß es Dir auch bei jedem Anderen gelingen wird!”
„Neviâthin! Vorsicht!”
Der schrille Ruf riß sie aus ihren Gedanken und holte sie in das Hier und Jetzt zurück. Verwirrt schaute sie sich um.
–> vorläufiges Ende bis…






Eine Antwort
[...] hier nun die Bilder zu unserer Amazone (die mich doch etwas an Neviathin erinnert [...]