Erlebnisse einer jungen Jägerin (05)
Teil 01 + Teil 02 + Teil 03 + Teil 04
Ihr prüfender Blick konnte die Dunkelheit kaum durchdringen.
Nur schemenhaft erkannte sie die um sie stehenden Bäume. Ihre Stämme waren so riesig, daß Neviâthien sie nicht mit ihren beiden Armen umfassen würde können. Die Höhe war nicht einzuschätzen, da die Wipfel weit in den dunklen Nachthimmel ragten und nur selten fanden ihre Augen die Möglichkeit, einen Stern am Himmel zu erkennen. Prüfend ließ sie ihre freie Hand über einen der Stämme gleiten. Weich, zart und fast wie Haut fühlte sich die Oberfläche an, stellenweise hatte sie das Gefühl, etwas würde sich unter ihren Fingern bewegen. Mit leichtem Kraftaufwand gelang es ihr sogar, die Fingerkuppen etwas nach innen zu drücken. So etwas hatte sie nie zuvor gespürt.
Vorsichtig ließ sie sich anschließend auf ihre Knie nieder um den Untergrund näher zu untersuchen. Doch auch hier war die Schwärze der Nacht nicht zu durchbrechen. Als ihre Hände den Boden berührten, fühlte sie nichts außer harter Erde, auf der feste, teils scharfkantige Steine oder Felsen lagen. Kaum gelang es ihr etwas davon in die Hand zu nehmen: obwohl nicht sehr groß war der Gegenstand erstaunlich schwer, schnell entglitt er ihr und fiel wieder auf seinen ursprünglichen Platz zurück, als würde er sich gegen eine genauere Untersuchung wehren. Doch keinerlei Gras oder Büsche berührte ihren Körper. Nur eins war sicher: hierher hatten ihre Reisen sie zuvor nie gefühlt und sie hatte noch nie von diesem Ort gehört.
Ein eigenartiger Geruch lag in der Luft, die feucht begann ihren Weg unter ihre Kleidung und an ihre Haut zu finden. Leicht säuerlich und nach Fäulnis riechend. Instinktiv versuchte sie, so flach, wie möglich zu atmen um dieser unangenehmen Mischung keine Möglichkeit zu geben, in sie einzudringen.
Laut und kurz durchbrach plötzlich ein schriller Pfiff die Nacht, der Neviâthiens Ohren schier zum Platzen zu bringen schien. Eine kleine Ewigkeit hielt sie gespannt den Atem an. Wartend und lauernd schaute sie um sich. Nichts deutete darauf hin, ob dies ein Zeichen war, das ihr galt, ob von Mensch, Tier oder einem anderen Wesen ausgestoßen. Danach wieder Stille. Neviâthiens Brust begann, sich zu bewegen, als sie es vorsichtig wagte, ihren Lungen wieder die notwendige Luft einsaugen zu lassen.
Den Bogen wieder vor ihrer Brust haltend, griff sie in ihren Köcher und zog einen langen, aus festem Holz geschnitzten Pfeil heraus, den sie an der Sehne postierte, um sich verteidigen zu können.
Nach rechts und links wanderte ihr wachsamer Blick, doch die Dunkelheit gab nicht zu erkennen, was in ihr lauerte. Auf ihrer Stirn bildeten sich Schweißperlen vor Anspannung, die langsam begannen, sich einen Weg über ihr Gesicht zu bahnen. Vorsichtig einen Fuß vor den anderen setzend, begann sie sich vorwärts zu bewegen, immer im Schutz der Bäume bleibend. Ab und an meinte sie große dunkle Schatten zu erkennen, die um sie herum huschten und sie zu beobachten schienen.
Das Licht des Mondes durchbrach weit vor ihr ab und zu die Dunkelheit, sein Schein war ihr einziger Orientierungspunkt und dem versuchte sie zu folgen. Schritt für Schritt bewegte sie sich vorwärts, ab und an stolpernd über die Gegenstände, die den Boden bedeckten oder gegen einen Baum prallend, der sich plötzlich vor ihr aufbaute, obwohl die Stelle eben noch leer zu sein schien.
Ihr Gefühl bedeutete ihr wachsam zu sein, obwohl sie außer diesem einen Pfiff nur ihren eigenen Atem hörte. Kein Leben war zu spüren, alles um sie schien tot zu sein.
Nach Stunden, wie ihr schien, spürte sie, wie die Kraft sie verließ und sie wußte, daß sie dringend Ruhe brauchte. Vorsichtig tastete sie sich zum nächsten Baum vor und untersuchte die Möglichkeit, ihn zu besteigen. Doch keinen Ast oder noch so kleinen Vorsprung konnte sie finden. Die glatte und leicht feuchte Oberfläche ließ keinerlei Festhalten zu.
Trotz dieser ungünstigen Situation beschloß sie, zu ruhen. Sie steckte ihren Bogen weg und zog stattdessen einen Dolch hervor, den sie fest in ihrer Hand hielt, als sie sich schließlich auf den Boden niederließ und den Rücken an den Baum lehnte. Einige Zeit bemühte sie noch, ihre Augen offen zu halten, doch schließlich übermannte ein tiefer Schlaf sie.
–> weiterlesen bei Teil 06





Eine Antwort
[...] Erstaunlicherweise hat mich gestern wieder einmal die Muse geküßt (so richtig feucht, fast schlabberig) und ich konnte meine junge Jägerin ein weiteres Stück auf ihren Weg schicken Erlebnisse einer Jägerin. [...]