Nachts.

Ich erwache von einem Gepolter aus dem Flur, fühle mich schlapp und brauche eine Zeit, um zu mir zu kommen. Ein Zischen und Rauschen ist in der Wohnung zu hören. Die Möbel und das Inventar zittern. Ich steh eng umschlungen mit meiner Tochter im Arm im Flur und versuche zu analysieren, was da gerade passiert. Die Szene in der Wohnung erinnert mich an den Film “Poltergeister”, als auch noch Gegenstände beginnen, durch die Gegend zu fliegen und an den Wänden zu zerschellen.

Plötzlich Ruhe. Absolute Stille.

Wir gehen zitternd ins Kinderzimmer und versuchen das Chaos zu ignorieren. Schlafen irgendwann eng aneinander gekuschelt ein.

Am nächsten Tag bringt meine Tochter eine Werbebroschüre aus der Schule mit, in der für eine Versicherung geworben wird, die sämtliche Schäden übernimmt. Kurz bin ich am überlegen, ob das nicht sinnvoll wäre, doch dann entdecke ich einen kleingedruckten Satz am Ende des Textes: “Wir sind immer für Sie da! So auch Sie 100 % von sich geben!”. Ein Schauer läuft über meinen Rücken und voller Angst lege ich die Anzeige beiseite.

Tage später.

Es ist tiefste Nacht und ich erwache. Bekomme meine Augen nicht geöffnet und spüre, daß ich nicht allein im Zimmer bin. Tiefe Angst befällt mich. Immer wieder versuche ich, die Lider zu heben bis es mir endlich, unter großer Anstrengung, gelingt. Nur verschwommen kann ich meine Umgebung erkennen. Und da ist eine Gestalt an meinem Bett, die sich gerade über mich beugt. Ich begreife nicht gleich, was derjenige dort tut, doch dann wird mir klar, daß es eine Spritze ist, die die Gestalt in der Hand hält. Ich möchte schreien, mich wehren, doch keinerlei Bewegung ist möglich. Alles um mich wird wieder schwarz.

Ich erwache von den Schreien meiner Tochter und bemerke, daß wieder das absolute Chaos herrscht. Das gleiche Zenario wie vor Tagen: die Wohnung wird verwüstet, von einem tornadoähnlichem Sturm.

Diesmal schalte ich die Polizei ein. Berichte von dem unheimlichen Besucher letzte Nacht. Doch auch die herangezogenen Experten können uns nicht helfen.

Wieder einige Tage später.

Ich sitze mit einer Bekannten in einem Warteraum. Wir unterhalten uns über dies und das. Plötzlich fragt sie ganz nebenbei: “Bei Euch war neulich Nacht die Polizei? Was war denn los?” Kurz berichte ich von den Ereignissen. Woraufhin sie mir die Versicherung empfiehlt, von der ich gelesen hatte. Verstört schau ich sie an. Woraufhin sie erklärt: “Ja, die sind wirklich Klasse! Und auch in solch ungeklärten Fällen zahlen die wirklich gut! Du mußt nur unterschreiben und alles wird gut!” Verärgert und verwirrt schreie ich sie fast an, erkläre, daß unser Geld vorne und hinten nicht reicht, ich nicht einmal darüber nachdenken kann, Zahlungen an irgendeine Versicherung zu tätigen. Nun ist sie es, die mich verstört anschaut. Kurz greift sie in die Tasche neben sich und blättert einige Unterlagen vor. “Oh, da muß wohl ein Mißverständnis vorliegen! Keine Sorge! Wird nicht wieder vorkommen!” Dann steht sie auf und geht.

Bedeutet das, diese Versicherung hat den Schaden bei mir angerichtet? Ein Mitarbeiter von denen hat mich schachmatt gesetzt, um die Verwüstung vorzubereiten? Nur, damit ich einen Vertrag abschließe? Hat man uns verwechselt in dem Glauben, wir wären zahlungskräftige Kunden?

Jedenfalls war ab diesem Zeitpunkt Ruhe und wir konnten unsere Wohnung und unser Leben wieder in Ruhe genießen.