Erlebnisse einer jungen Jägerin (01)
Vorsichtig öffnet die junge Jägerin an diesem Abend ihre Augen. Sie liebt es, in den Abendstunden mit ihrem Begleiter auf die Jagd zu gehen. Der Tag ist geschafft, Ruhe kehrt ein auf der Welt und ab und an trifft sie jemanden, mit dem es sich gut reden lässt.
Ihr Felshetzer, den sie nun schon geraume Zeit bei sich hat, kommt aus seinem Versteck gekrochen, nur um sofort nach Futter zu verlangen. Sie weiß, wenn sie jetzt nicht schnell etwas in ihren Taschen für das Leckermäulchen findet, wird es böse – wenn nicht sogar wütend und bissig. Ab und an kam es schon vor, dass es sich dann gegen sie wandte, die riesigen Reißzähne fletschte und anscheinend vergaß, wer die Herrin und wer das Tier ist. Bis jetzt schaffte sie es immer, diese gefährlichen Situationen für sich zu entscheiden. Doch provozieren wollte sie es auch nicht. Lieber setzten sie beide ihre Energien später bei der Jagd um.
Da, endlich umfassten ihre Finger ein riesiges Stück rohes Fleisch, das sie ihrem Tier nun zuwarf. Geschickt fing es das blutende Etwas mit dem Maul auf, nur um es dann fallen zulassen, die vorderen Krallen darin zu vergraben und mit den Zähnen einzelne Stücke herauszureißen, dass das Blut nur so spritzte.
Die Jägerin setzte sich etwas abseits auf einen Stein und beobachtete die Situation mit einem Lächeln auf den Lippen. Sie liebte ihren Hetzer und es erfreute sie zu sehen, dass es ihm so gut ging. Seine Muskeln zeichneten sich fest und prall unter seiner Haut ab, als er das Fleisch verschlang. Sie wartete bis auch der letzte Stück, die letzte Ader verschwunden war.
Langsam erhob sie sich und bedeutete ihm, ihr zu folgen. Sie lenkte ihre Schritte auf eine kleine Lichtung im Wald, stellte sich mit leicht geöffneten Beinen in die Mitte, stemmte die Fäuste in ihre Hüften und ließ einen grellen Pfiff ertönen. Ein leises Rauschen war über den Baumwipfeln zu hören, das langsam aber stetig immer lauter wurde, bis ein riesiger Schatten sich vor den Mond schob und die Nacht in absolute Dunkelheit hüllte. Aus dem Himmel näherte sich im schnellen Flug ein Vogel, dessen Größe sie immer wieder beeindruckte. Vorsichtig ging sie ein paar Schritte zurück, um dem schwarzen Greifen Platz zu machen, der nun direkt vor ihr landete, den Kopf senkte und ihr damit zu verstehen gab, dass er für den Ritt in die Nacht bereit wäre.
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